Sonntagsgedanken: Dreifaltigkeit
In der Weisung zur Gottesliebe steht ein kleines Wort, das in seiner Bedeutung oft überhört wird: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben ...« Nicht das unterscheidet die Menschen, ob sie einen Gott haben oder nicht, sondern ob sie ihn lieben!
Ich feiere heute am Dreifaltigkeitssonntag nicht nur die innergöttliche Beziehung sondern auch meine Beziehung zu Gott.
Als Mensch, dies ist mein fester Glaube, bin ich als Ebenbild Gottes geschaffen.
Wenn Gott in drei Personen existiert, in Vater, Sohn und Geist, bin auch ich ein Abbild dieser Existenzweise Gottes.
Ich bin ein Abbild des Schöpfers, sprich des Vaters.
Ich bin ein soziales Wesen: Ich lebe nicht für mich allein, sondern so wie der Sohn Gottes, Jesus, es mir vorgelebt hat.
Und ich bin mit Geist, mit Energie beseelt, damit ich mich entfalte und das Leben und die Gesellschaft kreativ mit gestalte. Ich habe die Aufgabe, das Evangelium, die Friedensordnung des Sohnes in Liebe und Freiheit zu leben.
Diese drei göttlichen Existenzweisen sind in jedem Menschen durch seine Ebenbildlichkeit Gottes beheimatet. So ist das heutige Fest der Heiligen Dreifaltigkeit ein Fest der menschlichen Schöpferkraft, ein Fest des liebevollen menschlichen Miteinanders und ein Fest menschlicher Geisteskraft.
Geschaffen als Ebenbild Gottes, geschaffen als Ebenbild seiner Heiligen Dreifaltigkeit, dürfen wir unsere ganze menschliche Existenz zutiefst in Gottes Herrlichkeit und Größe gegründet wissen. Das gibt mir unendlich viel gläubiges Selbstvertrauen und unendlich viel Gottvertrauen. Dafür bin ich von Herzen liebevoll dankbar.
Dietmar Hermann, kath. Dekan Göppingen-Geislingen