„Die Sicherung der Unterrichtsversorgung hat im neuen Schuljahr Vorrang. Wir wissen, dass wir bei der Krankheitsvertretung mehr tun müssen“, so MdL Peter Hofelich. Klar wurde aber auch: der Lehrermangel insbesondere bei technischen Lehrern, die Erfordernisse für einen ausreichenden Ergänzungsbereich und der Förderungsbedarf für Kinder werden noch drängender und müssen gelöst werden.
Gut besucht war das jüngste Schulgespräch des sozialdemokratischen Abgeordneten im Wahlkreis Göppingen. Die kurz zuvor veröffentlichte Denkschrift des Rechnungshofes, welche konstatiert hatte, dass es seit 2003 zehn Prozent weniger Schüler, aber acht Prozent mehr Lehrer gibt, trotzdem Mängel auftreten und daraus Konsequenzen für mehr Ressourcen-Effizienz bei dem mit 50 Prozent aller Beschäftigten größten Personalkörper des Landes gezogen werden müssten, hatte die Stimmung zusätzlich aufgewühlt. Hofelich stellte eingangs klar, dass die Unterrichtsversorgung im Pflichtunterreicht Vorrang habe. Im neuen Schuljahr wird deshalb die feste Reserve der Krankheitsvertretungen um weitere 200 Stellen ausgebaut. Die Runde war sich allerdings einig, dass angesichts rund 1400 Lehrern mit Langzeiterkrankungen, welche bereits in der ersten Schulwoche gemeldet werden und den Pool an Krankheitsvertretungen damit praktisch auf einen Schlag egalisieren, dies nur ein erster Schritt sein könne. GEW-Kreisvorstand Holger Kissling bezeichnete die Situation als „nicht neu“. Die Runde war sich allerdings einig, dass sich vieles über Jahre aufgebaut habe und nicht gegen gesteuert wurde. Im Gegenteil: Grün-Rot musste zum Beginn des abgelaufenen Schuljahres eine von der vorherigen Landesregierung vorgesehene Kürzung bei den Mitteln für Krankheitsvertretungen in Höhe von 2.8 Mio und eine geplante Sperrung von 711 Lehrerstellen zurück nehmen, um noch dramatischere Situationen zu verhindern. Eine zufriedenstellende Nachricht brachte der Landtagsabgeordnete für einige anwesende Rektoren: Die sogenannten ‚MAU-Mittel‘, mit denen Schulleiter Überstunden bezahlen können, werden wieder frei gegeben und unbürokratisch in ihre Hände gegeben. Nicht so einfach zu beheben ist der Mangel an technischen Lehrern an den beruflichen Schulen: Von 15 Prozent, die im Pflichtbereich fehlen, wurde berichtet. Hier ist der Arbeitsmarkt abgeräumt und es gelte, Lehrer aus anderen Verwendungen zurück zu holen. Und ein großes Thema bleibt der Ergänzungsunterricht, also Sprachförderung oder AGen, welche in Grundschulen wie in Haupt- und Werkrealschulen ganz besonders wichtig sind.
Der ‚Blick nach vorne‘ war dann gefragt. Die Zuweisungen an Lehrern sind, wegen den Unsicherheiten im ersten Jahr der aufgehobenen Grundschulempfehlung, erst spät geschehen. Jetzt ist die Grundlage da und manche Befürchtung löst sich. Defizite, gerade im Bereich des Landkreises, sind aber noch genügend zu erwarten. Die Runde diskutierte Wege für mehr Effizienz: Die erhebliche Zahl an Pädagoginnen und Pädagogen, die abgeordnet sind und nicht dem Unterricht zur Verfügung stehen, müsse hinterfragt werden. Sie werden benötigt. Dann die langen Wege von der Schule in das Schulamt ins Regierungspräsidium und ins Kultusministerium. Umgekehrt die vielen Abfragen, die ‚von oben‘ kommen und vielen folgenlos erscheinen. Die Schulverwaltung muss sich einer Verschlankung stellen. Die Fremdevaluation der Schulen, welche außerhalb und innerhalb der Schulen Arbeitszeit binde, wurde in Frage gestellt. Die seit Jahren unbefriedigende Situation der Informationstechnik in der Kultusverwaltung, bei der die Kultusministerin keine Möglichkeit habe, sich per Knopfdruck einen Überblick zu verschaffen, springt ins Auge. Und schließlich, so die Runde, gelte es natürlich, auch über kleine Schulen und über den Klassenteiler offen zu sprechen. Klar sei allerdings, so Peter Hofelich, dass die Grundschulen wohnortnah bleiben müssten. Sein Fazit: „Wir haben als Koalition defizitäre Haushalte und nicht durchfinanzierte Finanzplanungen übernommen. Wir ringen um Spielräume für die wichtigste Aufgabe der Landespolitik, die Bildung. Wir wollen, dass zum neuen Schuljahr eine geordnete Situation da ist!“
PM

